Wo drückt die Bremer die Schuh? Das wollen die SPD-Ortsvereine Horn-Lehesterdeich, Oberneuland und Borgfeld regelmäßig wissen.
Drei Bremer SPD-Ortsvereine rücken zusammen: Horn-Lehesterdeich, Oberneuland und Borgfeld gehen nicht nur Probleme zusammen an. Sie sind auch mit zahlreichen gemeinsamen Veranstaltungen in der Öffentlichkeit präsent. Das entlastet die Mitglieder und erhöht die Schlagkraft.

Die Fahrzeiten der Buslinie 31 sollten verlängert werden. Gleich darunter ist etwas  von Verkehrsberuhigung zu lesen. Es sind die Wünsche, Ideen und Sorgen der Menschen im Stadtteil, die auf kleinen gelben Zetteln im Wind flattern. Anwohner haben sie beim Borgfelder Sommerfest an den „roten Schuh“ gepinnt. Dort können die Menschen aufschreiben, wo sie der Schuh drückt – sozusagen im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Ohr an den Wünschen des Volks

Seit dem Jahr 2008 schon haben die beiden Ortsvereine Horn-Lehesterdeich und Oberneuland auf diese Weise ihre Ohren nah am Volk. Seit dem vergangenen Jahr ist auch der Ortsverein Borgfeld dabei. Der inzwischen bekannte „rote Schuh“ und das zugehörige Label „SPD im Bremer Nordosten“ sind der Ausdruck eines neuen Weges innerhalb der Unterweser-SPD: Die drei Ortsvereine sind organisatorisch eigenständig,  arbeiten aber eng zusammen. Aktionen, Veranstaltungen, Diskussionen mit Politikern aus Bund und Land bis hin zu gemeinsamen Mitgliederversammlungen stellen die Mitglieder gemeinsam auf die Beine.

„Wir möchten Leute gewinnen“, umschreibt Derik Eicke, Vorsitzender des Ortsvereins Oberneuland, einen der Gründe für die enge Zusammenarbeit. Seine Vorsitzenden-Kollegen Thomas Hanke aus Horn-Lehesterdeich und Alexander Keil aus Borgfeld nicken zustimmend. „Unser Ziel ist, dass die SPD in unseren Stadtteilen sichtbarer und ansprechbarer wird“, ergänzt Hanke. Dafür sei der „rote Schuh“ ideal. Anhand der gelben Zettel zeige sich, dass es viele gleiche Sorgen und Wünsche in den Ortsteilen, Stadtteilen und den Quartieren gebe.

Den Menschen ist egal, welcher OV zuständig ist

Hinzu kommt die Außenwirkung: Die Bürger sehen nur, dass sich die SPD ihrer Anliegen annehme, wissen die Ortsvereinsvorsitzenden. Welcher Ortsverein es ist, interessiert sie nicht. Kein Wunder also, dass sich der Begriff „SPD im Bremer Nordosten“ langsam aber sicher verselbstständigt. Die Hauptsache sei für die Menschen, dass über die Themen vom „roten Schuh“ im Stadtteilbeirat oder später sogar in der Bremer Stadtbürgerschaft diskutiert werde, erklären die drei Ortsvereinschefs.

Wer Ansprechpartner für die Bevölkerung sein möchte, muss zudem viel Zeit investieren. Die Vielfalt der Aufgaben vom kleinen Infostand bis zur Organisation einer Diskussionsveranstaltung lässt sich indes kaum noch von einem Ortsverein alleine bewältigen. Mit ihrer engen Zusammenarbeit im Nordosten werden somit die eigenen Mitglieder entlastet.

Eicke rechnet vor: „Allein von Mai bis August bieten wir in diesem Jahr 14 Termine an.“ Dazu gehörten etwa drei bis vier größere Veranstaltungen mit dem Titel „SPD-Bürgerdialog im Nordosten“. Sein Borfelder OV-Kollege Alexander Keil weiß: „Es reicht nicht zwei oder dreimal im Jahr einen Infostand aufzubauen.“

Mehr Vielfalt durch die enge Zusammenarbeit

Wo und wann die SPD-Leute zum Gespräch beziehungsweise mit dem „roten Schuh“ anzutreffen sind, erfahren die Menschen im jeweiligen Einzugsgebiet der Ortsvereine durch einen Flyer. Sie werden durch Straßenverteilungsaktionen unter die Leute gebracht. Die Vorderseite und der obere Teil des kleinen Informationsblattes sind gleich. Nur die Ansprechpartner werden ausgetauscht. Damit zeigen die Genossen aus Oberneuland, Horn-Lehesterdeich und Borgfeld, dass sie innerhalb der Partei noch immer drei selbstständige Ortsvereine sind. Eine Fusion streben sie nicht an. Natürlich sind die Termine auch auf den jeweiligen Internetseiten zu finden.

Anfängliche Vorbehalte gegen das Zusammenrücken werden nach Auskunft von Eicke, Keil und Hanke langsam weniger. Selbst die älteren Genossen fänden daran langsam gefallen, weil sie die Mitglieder aus den anderen Ortsvereinen viel öfter sehen würden. Quer durch alle Altersgruppen reife die Erkenntnis, dass es durch die enge Zusammenarbeit mehr Vielfalt gibt – zum Beispiel durch die gemeinsamen Mitgliederversammlungen, die ebenfalls zum Konzept gehören. Eher nebenbei weisen die drei Ortsvereinsvorsitzenden darauf hin, dass sie gemeinsam bei den Landesparteitagen mehr Gewicht hätten. Keil glaubt zudem: „Wir können dem Mitgliederschwund entgegensteuern.“

 


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