Bienen in Bedrängnis

Unterstützung für Initiative zweier SPD-Ortsvereine

Imker August Wilhelm Schinkel

Oberneuland/Borgfeld. „Honigbienen geht es in der Stadt mittlerweile besser als auf dem Lande“ sagt August-Wilhelm Schinkel, erster Vorsitzender des Imkervereins Bremen von 1875. Denn auf dem Lande setzen den Bienen Monokulturen und Insektenvernichtungs- wie auch Unkrautmittel zu. Die Stadt mit ihren Gärten, Parks und Grünanlagen kann hingegen den Bienen oft mehr Blütennahrung bieten – in Form von Nektar und Pollen.

Doch die Stadt Bremen könnte viel mehr für Honigbienen tun, und Imker könnten in ihrer verdienstvollen Tätigkeit weit besser unterstützt werden. Das sehen nicht nur Imker. Die SPD-Ortsvereine Oberneuland und Borgfeld schlagen konkrete Unterstützung für Bienen wie auch für die Imker vor. Auf dem Landesparteitag in der vergangenen Woche hatten sie einen entsprechenden Antrag eingebracht, der wie berichtet gegen den Widerstand des Landesvorstands von den Delegierten des Parteitags beschlossen wurde und nun in die Bürgerschaft und auch in den Bundestag eingebracht werden soll.

Der Mensch profitiert von der Emsigkeit der Bienen nicht nur durch den Honig, sondern indirekt auch von der immensen Bestäubungsarbeit, die Bienen leisten: Ohne sie würden zahlreiche Kultur- wie auch Wildpflanzen in der freien Natur nicht befruchtet werden.

Eine Forderung des Antrags zielt auf ein ausreichendes Nahrungsangebot an geeigneten Blüten von Frühling bis Herbst. Dazu sollten in öffentlichen Bereichen wie Parks oder Grünanlagen sogenannte „Trachtbänder“ entstehen: Sie stellen den Bienen über drei Jahreszeiten geeignete Blüten zur Verfügung. „Das wäre eine wunderbare Sache“, stimmt Schinkel vom Imkerverein dem SPD-Vorschlag zu. Doch bereits im frühen Frühjahr wird dieses lange, bunte Band an Blüten oft verkürzt: So schneidet der Umweltbetrieb zum Beispiel immer noch Weiden mitten in der Blütezeit, wenn die Gehölze nach dem Winter den Honigbienen wichtige Nahrung bieten.

Derzeit sind viele Bienenvölker von der Varroamilbe bedroht, außerdem kündigt sich eine neue Gefahr aus Afrika an: Der Kleine Beutenkäfer, glänzend schwarz und nur einen halben Zentimeter lang, hat bereits Nordamerika und die Toskana erreicht. Seine Larven fressen Gänge durch die Waben und vernichten die Brut – sie können ein Bienenvolk in kürzester Zeit vernichten. „Besonders über den Containerumschlag könnten diese Käfer leicht auch nach Bremen gelangen“, fürchtet August-Wilhelm Schinkel. Im beschossenen Antrag heißt es deshalb, dass an den bremischen Häfen und dem Flughafen ein Frühwarnsystem eingerichtet werden soll: Dort sollen präparierte Bienenstöcke stehen, die einen Befall frühzeitig sichtbar machen.

Doch nicht nur den Bienen, sondern auch den Imkern soll geholfen werden: „Häufig erhalten Imker Anrufe von Polizei und Feuerwehr, die ihnen Hornissen- oder Wespennester in Haus oder Garten melden“, sagt Schinkel. „Und Imker übernehmen dann in ehrenamtlicher Arbeit das mühselige Geschäft, die Insekten einzusaugen und sie mit speziellen Kästen umzusiedeln.“ Weiterhin nimmt die Beratung der Bevölkerung zum Thema Wespen und Hornissen viel Zeit der Imker in Anspruch. „Das ist eigentlich eine staatliche Aufgabe“, meint Schinkel, der die Forderung der SPD nach einer Haftpflicht- und Unfallversicherung sowie eine pauschale Aufwandsentschädigung für Imker unterstützt.

In Deutschland stammen 96 Prozent des Honigs von Hobby-Imkern, doch ein Bio-Siegel tragen meist nur Honigprodukte, die aus Großfirmen stammen, die mehr als 30 Völker halten. Hobbyimker mit kleinen Völkern können sich dieses kostspielige Siegel, das mit zertifiziertem ökologischem Anbau verbunden ist, in der Regel nicht leisten. Dieser Tatbestand führt zu einer Wettbewerbsverzerrung. Die beiden Ortsvereine und nun auch die Landes-SPD fordern deshalb ein regionales Label, das die Qualität des Honigs von Hobby-Imkern zum Ausdruck bringt.

Bienen sind heute in Bedrängnis, doch sie sind nur ein winziger Teil eines artenreichen Spektrums an Blütenbesuchern, die in letzter Zeit dramatisch zurückgehen. Nach Untersuchungen des Entomologischen Vereins Krefeld an 88 Standorten in Nordrhein-Westfalen ging die Insekten-Biomasse von 1989 bis 2014 um bis zu 80 Prozent zurück – und davon waren vor allem Schmetterlinge, Schwebfliegen und Bienen betroffen – ein alarmierender Verlust, der für die Vielfalt der Natur fatale Folgen hat. Es gilt als ziemlich sicher, dass die intensive Landwirtschaft mit dem Einsatz neuer Gifte wie den Neonicotinoiden erheblich dazu beiträgt. August-Wilhelm Schinkel spricht aus eigener Erfahrung: „Früher musste man die Windschutzscheibe am Auto nach längerer Fahrt von Insekten befreien. Heute bleibt sie sauber, weil Insekten dramatisch zurückgegangen sind.“

 Stadtteil-Kurier Nordost – 08.05.2017

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